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fun Hondelage e.V.: Blindschleichen sind keine SchlangenBereits in den Jahren 2007 und 2009 hatten wir über Reptilen bei Hondelage berichtet. Damals ging es um die Zaun- und Waldeidechsen. Nun möchten wir über die dritte im Bunde berichten, die Blindschleiche. Manchmal hat man das Glück nach einem Sommerregen oder früh am Morgen bei Sonnenschein einer Blindschleiche auf den Forstwegen unserer Wälder zu begegnen.
Dort liegen sie und wärmen sich auf. Mancherorts schrecken Menschen leider immer noch zurück oder schlimmer, erschlagen die Tiere im Irrglauben einer gefährlichen Schlange begegnet zu sein. Das ist natürlich in mehrfacher Hinsicht falsch. Erstens sind Blindschleichen keine Schlangen, zweitens sind unsere heimischen Schlangen Norddeutschlands sehr scheu und eher ungefährlich und drittens darf man Schlangen auch nicht erschlagen. Trotz vieler Kartierungen und historischer Hinweise konnten für das Braunschweiger Stadtgebiet in jüngerer Zeit bisher leider keine Schlangen eindeutig nachgewiesen werden. Schlangenarten, wie Ringelnatter, Schlingnatter und Kreuzotter sind aber sicherlich Arten, die potentielle Lebensräume bei Braunschweig vorfinden würden. Vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir die ersten Exemplare „wieder“ antreffen.
Die schlangenähnliche Gestalt der Blindschleiche rührt daher, dass sie im Laufe der Evolution ihre Extremitäten immer weiter zurückgebildet hat. Ganz anders als Schlangen hat sie wie andere Echsen bewegliche Augenlider und wie unsere Eidechsen eine Sollbruchstelle, um bei Gefahr das Schwanzende abwerfen zu können. Weil die Tiere, egal ob nun mal eher braun oder silbrig gefärbt, glänzen und sich kriechend bzw. schleichend fortbewegen, haben sie den Namen Blindschleiche erhalten. Der Namensteil „Blind“ stammt hier vom althochdeutschen Wort „Plinto“, welches für Blende/blenden/glänzend stand. Allerdings können sich Blindschleichen bei Bedarf blitzschnell verkriechen. Da sie sich oft unter feuchten Substrat wie verfilztes Gras, Laub und Moos versteckt und sich dabei manchmal durch die obere, lockere Bodenkrume drückt, ist sie nur selten zu beobachten. Zum Glück zählt die Blindschleiche noch zu den häufigsten Reptilienarten Deutschlands. Sie besitzt die Fähigkeit neben ihren natürlichen Lebensräumen, wie Wald, Moore, Berghänge und Flussauen auch die vom Menschen extensiv genutzten Landschaftsbereiche zu besiedeln. Besonders strukturreiche Sekundärlebensräume, wie Waldränder, Hecken, Brachen, breite Ackerrandstreifen, naturnahe Gärten und Feldgehölzbereiche mit den unterschiedlichen Mikroklimaten und breiten Beutespektren werden von der Blindschleiche als Alternative aufgesucht. Nach der Überwinterung in selbst gegrabenen oder Säugetiergängen oder im Komposthaufen, werden die Tiere Anfang April aktiv und beginnen mit der Paarung.
Dabei kann es zu ausgedehnten kämpfen mit Bissverletzungen bei den Männchen kommen. Eine Partnerfindung erfolgt über Duftstoffe, die beim Züngeln der Männchen erkannt werden. Bereits Ende Juli setzen die befruchteten Weibchen bis zu zehn 4-5 cm lange Jungtiere ab. Die Blindschleiche legt also im Gegensatz zur Zauneidechse keine Eier. Hinsichtlich der Nahrung werden insbesondere kleinere Nacktschnecken und Regenwürmer bevorzugt. Leider weiß man nur sehr wenig über Populationsgrößen. Erste Untersuchungen zeigen auf, dass Blindschleichen sehr kleine Territorien besitzen und sich nur wenige Meter am Tag bewegen. Für die Ausbreitung in neue Lebensräume sorgen insbesondere Jungtiere. Zum Schutz der Hondelager Blindschleichenpopulationen hat der fun viele strukturreiche Lebensräume wie Hecken, Uferrandstreifen, Brachen und offene Waldränder angelegt und in Pflege.
Thomas Romanowsky
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